Dienstag, 17. Februar 2009

Europa-Politikexperten für einen Tag

Jugendliche diskutieren mit Europaabgeordneten über Klimapolitik: Das ist das Prinzip der Europäischen Jugendforen. Im Dezember 2008 fand die Veranstaltung in Potsdam statt.














Erklärte Europapolitk: MdEP Norbet Glante (SPD)


Beitrag für
www.europarl.de

Jonas hat eine dringende Frage. Der 19-jährige Gymnasiast steht im Landtag Brandenburg in Potsdam, hält ein Mikrofon in der Hand und fragt mit selbstbewusster Stimme: „Sie haben in Straßburg Strafgebühren gegen Spritfresser beschlossen, gleichzeitig aber eingebaut, das Gesetz in ein paar Jahren kippen zu können. Warum machen Sie denn so etwas, wenn Sie das Klima retten wollen?"

Norbert Glante, Europaabgeordneter (SPD) hat interessiert zugehört. Er sitzt hinter einem braunen Rednerpult, rechts die Europaflagge, links die Landesflagge. Neben ihm sitzt Jens Klocksin, Landtagsabgeordneter (SPD) und Mitdiskutant. Vor den beiden sitzen heute 98 Schülerinnen und Schüler von fünf Potsdamer Gymnasien und warten gespannt auf eine überzeugende Antwort. „Ich sehe nicht, dass das Gesetz gekippt wird", erklärt Glante freundlich. Man habe lediglich Review-Klauseln eingebaut, um das Gesetz 2013 überprüfen zu können. „Wir haben auch nicht die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen. Politik ist Trial and Error."

Politik verständlich machen – das ist das Ziel der Veranstaltungsreihe Prima Klima? Europäisches Jugendforum, die das deutsche Informationsbüro des Europäischen Parlaments seit Herbst 2008 organisiert. Die Reihe richtet sich an Erst- und Jungwähler und wird in Kooperation mit den Landtagen der Bundesländer durchgeführt.

Wichtigster Bestandteil der Foren sind Diskussionen mit Europa-Abgeordneten sowie Abgeordneten der Landtage zum aktuellen Thema „Energie und Klimaschutz." Jugendlichen soll dabei vermittelt werden, dass aktuelle Probleme Lösungen auf regionaler und europäischer Ebenen erfordern – und durch konstruktive Arbeit gelöst werden können.

Die ersten Veranstaltungen fanden bisher mit viel Erfolg in Mainz, Schwerin und Potsdam statt. Nächste Station ist Erfurt, gefolgt von Kiel und Bremen. Vorgesehen ist, dass in jedem Bundesland ein Jugendforum stattfindet. Die Jugendlichen werden dabei im Vorfeld durch einen Referenten mit der Problematik vertraut gemacht und erhalten eine Materialmappe. Damit erarbeiten die Jugendlichen einen gemeinsamen Standpunkt, der anschließend mit den Europaabgeordneten diskutiert wird. Im Anschluss an die Diskussion findet eine Abstimmung statt – also fast so wie in der richtigen Politik.














Klare Meinung: Jugendliche auf dem Forum


Dabei diskutierten die Jugendlichen kontrovers und erkennen klar die Probleme rund um das Thema Biokraftstoffe und CO2-Reduzierung. So erklärte eine Schülerin, dass sie keinen Klimaschutz zu Lasten der Dritten Welt wolle: „Wenn wir mehr Biodiesel verbrauchen, verhungern in Afrika die Leute, weil dann die Lebensmittelspreise steigen." Ein Schüler fragte kritisch, ob auch nur einer bereit sei, wirklich auf Konsum zu verzichten, um das Klima zu retten. „Ehe wir große Reden halten, sollten wir bei uns selbst anfangen." Der Meinung war auch der Europabgeordnete Glante an und sagte, dass er eine Jahreskarte des öffentlichen Nahverkehrs besitze. „So senke ich persönlich meinen CO2-Ausstoß."

Dass im Prinzip nur durch den Verzicht auf Konsum das Klima gerettet werden kann, darüber waren sich die Nachwuchs-Politikexperten zum Abschluss des ganztägigen Forums bei der Abstimmung einig. Auch Jonas hat am Ende für den Konsumverzicht gestimmt. „Ich werde jetzt versuchen, mehr Äpfel aus der Region zu essen anstatt Bananen aus Übersee."

Links:

http://www.europaeisches-jugendforum.de/web/
http://www.europarl.de/export/jugend/Jugendforen/Europaeisches_Jugendforum.html

Fotos: Landtag Brandenburg (Potsdam)

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